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Relativ wahrscheinlich ist die Existenz eines fränkisch-karolingischen Königshofs, von dem aus bereits um 730 unter Karl Martell die Krondomäne verwaltet wird. Unter Karl dem Grossen gewinnt die Krondomäne dank ihrer verkehrspolitisch und strategisch günstigen Lage am Schnittpunkt wichtiger Handels-, Heer- und Pilgerstrassen und an der Flussfurt grössere Bedeutung und wird zu einer befestigten Siedlung für den königlichen Stadtverwalter und dessen Gefolgschaft ausgebaut. Der Verwalter dürfte sich "Thingolt" oder vielleicht "Dingolt" genannt haben. Daraus lässt sich der Name der wachsenden Siedlung "Tinkelsbuhel" und später Dinkelsbühl ableiten. Der Standort des Königshofs dürfte zunächst auf dem Hoffeld, einer heute noch gebräuchlichen Gemarkungsbezeichnung südwestlich der Altstadt, gewesen sein. Später wird der Verwaltungssitz näher an den Schnittpunkt der Handelsstrassen verlegt - auf eine leicht erhöhte Geländestelle nahe der Wörnitzfurt; dort wo sich heute das Altrathausgebäude (Haus der Geschichte + Tourist-Information) befindet. Zur Sicherheit seiner Bewohner wird er in der damals üblichen Form eines Wohnturms erstellt. Er befindet sich inmitten eines mit Erdwällen und Holzpalisaden umfriedeten Geländes, das an den 4 Zugangsstrassen mit einfachen Holztürmen abgesichert ist.

  

Skizze des karolingischen Königshofs

Skizze des Stauferwalls

 

Und dann ist da noch der mysteriöse sogenannte "Stauferwall", eines der noch nicht vollständig gelösten Rätsel der alten Reichsstadt. Ein Graben-, Wall- und Befestigungswerk, welches heute noch grösstenteils erkennbar, die gesamte Altstadt umschliesst. Bekannt ist, dass Anfang des 10. Jahrhunderts mehrfach die kriegerischen Magyaren und Awaren aus Ungarn einfallen und auch die hiesige Gegend um den Hesselberg und Dinkelsbühl unsicher machen. Zum Schutz der Bevölkerung und der Krondomäne und zur Sicherung der aufstrebenden und wirtschaftlich wie militärisch wichtigen Furtsiedlung an der Wörnitz werden im Abstand von ca. 500 Meter um die Domänenverwaltung Beobachtungstürme (= Warten) an exponierten Stellen und Zufahrtsstrassen erbaut. Der Stauferwall, ein wehrhistorisch interessantes Bauwerk, kann als Schutzanlage und Fliehburg für die der Krondomäne zugehörigen Bevölkerung gedeutet werden.

Über 200 Jahre später, nachdem der königliche Domänenverwalter - inzwischen unter staufischer Herrschaft - und die Krondomäne zugunsten der vor Ort aufstrebenden Patrizierschaft immer mehr an Macht und Bedeutung verlieren, wird ein Teil des Grundbesitzes in der Nähe der Hofstatt an den Karmeliterorden verschenkt, der darauf ein Kloster errichtet. In dem Gebäudeensemble des ehemaligen Karmeliterklosters sticht heute besonders die evangelische St. Paulskirche hervor.

Hier zwischen Altrathausgebäude und St. Paulskirche müssen wir uns die Keimzelle der Stadt vorstellen.

Und damit kann mit etwas Phantasie und bei Ausserachtlassung der chronologischen Abläufe eine realitätsnahe Verbindung zur schon erwähnten Dinkelbauer-Sage hergestellt werden - nämlich, dass aus der ehemaligen fränkisch-karolingischen Krondomäne im Weg der Schenkung das Karmeliterkloster entsteht und zum geistigen Mittelpunkt der aufstrebenden Siedlung wird.