Münster St. Georg in Dinkelsbühl

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Baugeschichtliche Entwicklung

 

Teil einer Predella

Der heilige Georg mit einem Modell der St. Georgskirche  -  vermutlich gehörte es früher zu einem Altar in der Kirche; heute befindet es sich im Historischen Museum in Dinkelsbühl

 

Das Münster St. Georg, wie es sich heute dem Betrachter und Besucher darstellt, ist die 3. Kirche an dieser Stelle.

 

1. Kirche um 1170 (Ursulakirche)
2. Kirche Ende 14. Jahrhundert (Bartholomäuskirche)
3. Kirche 1499 (Georgskirche)
 

In romanischer Zeit entsteht etwa um 1150 bis 1170 die erste, aus Stein gebaute Vorgängerkirche.

Diese Kirche hat noch keinen Turm und auch sonst bescheidene Ausmasse und ist von der Grösse her vergleichbar mit der Mutter- und Urkirche von Dinkelsbühl, der sehenswerten Pfarrkirche im nahen Dorf Segringen, die im Mittelalter zunächst unter dem Reichspatronat, dann unter dem Patronat des Benediktinerklosters Hirsau bei Calw bzw. dessen Filialklosters Mönchsroth steht. Auch die Dinkelsbühler Kirche steht bis 1460 unter dem Patronat von Hirsau. Kirchenpatronin der ersten Dinkelsbühler Kirche ist die heilige Ursula.

 

Um 1200 wird ein niedriger Turm westlich in 5 Meter Abstand zum Kirchenschiff erstellt, dessen Fundament mitsamt dem romanischen Untergeschoss und Eingangsportal des Turms das älteste noch erhaltene Bauteil an der Kirche und darüber hinaus der älteste erhaltene Gebäudeteil in Dinkelsbühl ist. Eventuell dient dieser Turm, dessen Höhe nicht bekannt ist, der aber kaum höher ist als das Kirchendach, als Wehr- und Wachturm in kriegerischen Zeiten dem Schutz der umgebenen Stadt.

 

Im 13. Jahrhundert, ca. um 1220/1230 werden Turm und Kirche miteinander verbunden, gleichzeitig wird der Turm geringfügig aufgestockt und die Kirche mit einem Choranbau versehen.

 

Die Bevölkerung wächst und so wie die erste Stadtbefestigung nicht mehr alle Bewohner aufnehmen kann und am Ende des 14. Jahrhunderts erweitert wird, so muss zur gleichen Zeit auch die Kirche neu und grösser gebaut werden – es entsteht an gleicher Stelle die dem heiligen Bartholomäus geweihte "Bartholomäus-Kirche" mit wesentlich grösseren Ausmassen als die Vorgängerkirche; im zeitlichen Zusammenhang mit dem Kirchenneubau entsteht auch eine weitere Turmaufstockung. Aus dem Jahr 1373 ist die Anfertigung der grössten Kirchenglocke von einem Nürnberger Glockengiessermeister belegt. Sie wird während des Dreissigjährigen Kriegs durch Schweden beschädigt. Im Jahr 1642 wird sie repariert. Sie hängt heute noch im Glockenstuhl und ist damit die älteste der insgesamt 6 Glocken.

 

Dinkelsbühl ist auf dem Höhepunkt seiner reichsstädtischen Entwicklung. Handel und Gewerbe blühen und bringen Einnahmen in die Stadtkasse. Der Stolz der Reichsstadtbürger, der Patrizierfamilien und der Handwerkerzünfte verlangt nach einem weithin sichtbaren, repräsentativen Kirchenbau, vergleichbar wie in befreundeten und benachbarten Reichsstädten auch. Die gewaltigen finanziellen Mittel werden von den reichen Bürgern und Patriziern mit ihren grossen Stiftungen, dem Patronatskloster Hirsau und dessen Filialkloster Mönchsroth und durch Ablasszahlungen der Gläubigen aufgebracht.

Für diesen geplanten repräsentativen Kirchenneubau soll ein neuer imposanter und gewaltiger Turm entstehen, der in einem passenden Grössen- und Höhenverhältnis zum geplanten Kirchenschiff steht.

 

Zeitgleich mit den Fundaments- und Untergeschossarbeiten am neuen Turm auf der Nordseite entsteht, quasi ausserhalb und um den alten Kirchenbau herum, die neue wesentlich grössere 3. Kirche. Zug um Zug wird das neue Kirchenschiff erstellt und gleichzeitig im Innern der alte Kirchenbau abgebrochen und das vorhandene Steinmaterial teilweise für den entstehenden Kirchenneubau verwendet.

So entsteht in den Jahren 1448 ("Anno dni MCCCC und im XLVIII jar uf aftermontag nach mitfasten [5. März] ward der erst stain gelegt") bis 1499 (mit dem ".......Setzen des letzten Stein.......") unter der Regie der damals fähigsten Kirchenbaumeister Süddeutschlands ("Niclavs esler der alt" und "Niclas esler sein son" [Nicolaus Eseler und Niclas Eseler der Jüngere]) eine spätgotische Hallenkirche mit überwältigendem Gesamtbild und Eindruck, wie sie sich heute noch dem Gläubigen, Besucher und Betrachter präsentiert.

Die Kirchenweihe der dem heiligen Georg geweihten Kirche findet am 17. Oktober 1488 statt.

Der geplante und bereits begonnene Turmneubau an der Nordseite des Kirchenschiffs kommt nicht mehr zur vollständigen Ausführung. Über das bereits um ein Stockwerk erhöhte Turmuntergeschoss wird nur noch das Kirchendach abgeschleppt; es beherbergt bis heute die Sakristei. Einerseits sind wohl finanzielle Gründe, auch baustatische Probleme wegen des feuchten Untergrunds nahe der Wörnitzniederung, als auch andererseits die bereits heraufziehenden, unsicheren Zeiten des vorprotestantischen und reformatorischen Gedankenguts ausschlaggebend.

1532 geht das Patronatsrecht des Benediktinerklosters Hirsau auf den Rat der Stadt über.

 

Mit dem "Setzen des letzten Steins" ist zunächst nur das Kirchenschiff fertiggestellt, noch steht der bisherige etwa 300 Jahre alte (West-)Turm. Dieser Turm mit seinem romanischen Untergeschoss und Eingangsportal, der im Volksmund auch "Stadtturm" oder "Wendelstein" genannt wird, bleibt stehen und erhält im Jahr 1550 seine krönende Erhöhung und damit auch sein noch heute typisches Aussehen durch ein Turmoktogon samt Kupferhaube.

 

Das Münster St. Georg war der sichtbare und bautechnisch krönende Abschluss einer von Eintracht, grossen Fleiss und Selbstbewusstsein geprägten Bürgerschaft in einer über Jahrhunderte hinweg aufstrebenden stolzen Reichsstadt. Mit den ursprünglich konfessionellen Auseinandersetzungen des reformatorischen Gedankenguts, die schliesslich im fürchterlichen Dreissigjährigen Krieg einmündeten, gelangte aber auch die St. Georgskirche in den Focus der kriegerischen Handlungen innerhalb der Stadt. Mehrmals veränderten sich in diesen wirren Zeiten die konfessionellen Besitzverhältnisse um das Gotteshaus und brachten auch willkürliche Zerstörungen im Inneren durch die zeitweise in der Stadt weilenden Schwedentruppen mit sich.

 

Während der über 500-jährigen Geschichte der St. Georgskirche werden laufend Sanierungs- und Renovierungsarbeiten erforderlich. Die schwierigsten, langwierigsten und finanziell jeden Rahmen sprengenden Arbeiten erfolgen, nach Feststellung der Einsturzgefährdung, in den Jahren 1970 bis 1999 und verursachen neben einem immensen ideellen und bautechnischen Aufwand Kosten in Höhe von über 13 Millionen Euro (= damals ca. 25 Millionen Deutsche Mark).

Nach Abschluss dieser umfangreichsten Bausanierungsmassnahmen in der Geschichte der Stadt präsentiert sich die im Jahr 1988 anlässlich der 500-Jahrfeier der Kirchenweihe zum Münster St. Georg erhobene Stadtkirche wieder in einem geordneten Zustand und glanzvollem Anblick und stellt ein dominierendes und würdiges Wahrzeichen von Dinkelsbühl dar.

 

Für den Interessierten sind eventuell noch folgende Fakten und Daten von Belang.

Seit 1223 gehört die Katholische Pfarrgemeinde St. Georg zum Bistum Augsburg. Vorher ist die Pfarrgemeinde, genau wie das Patronatskloster Mönchsroth und dessen Mutterkloster Hirsau sowie die Pfarrgemeinde Segringen, dem Bistum Speyer unterstellt.

Vergleichbare süddeutsche gotische Hallenkirchen sind die Heiligkreuzkirche in Schwäbisch Gmünd oder die St. Lorenzkirche in Nürnberg.

Georg Dehio (1850 – 1932), einer der bedeutendsten deutschen Kunsthistoriker, bezeichnete die St. Georgskirche in Dinkelsbühl als "die schönste Hallenkirche Süddeutschlands".

Das Kirchenschiff ist 77 Meter lang, 23 Meter breit und im Innern 21 Meter hoch, wobei die 2 Seitenschiffe gleich hoch sind wie das Mittelschiff. Diese beeindruckende, einzigartige Halle wird von 22 freistehenden und 27 Wandpfeilern getragen.

Von den 26 spätgotischen Kirchenfenstern haben 22 Fenster die Masse 2,50 Meterbreit und 14,50 Meter hoch.

Die Fundamenttiefe für den geplanten massigen Nordturm beträgt fast 7 Meter und hat 2,20 Meter Mauerstärke, während die Fundamenttiefe der Kirchenschiffmauern 3 bis 3,50 Meter beträgt.

Das Fundamentmauerwerk des bestehenden Westturms ist 3 Meter tief, die Stabilität des Turms wird anlässlich der erwähnten umfangreichen Sanierungsmassnahmen bis auf eine Tiefe von 13 Meter durch 72 Betonpresspfähle gesichert.

Auf die Aussichtsplattform des Kirchturms in 50 Meter Höhe gelangt man über 221 Treppenstufen. Mit dem bereits erwähnten, im Jahr 1550 aufgesetzten, Turmoktogon beträgt die gesamte Turmhöhe fast 70 Meter, das gewaltige Kirchendach hat eine Firsthöhe von 46 Meter.

Mit den 480.000 Dachziegeln lastet ein Gewicht von 960 Tonnen auf dem Dachstuhl.

Seit 1648 ist die St. Georgskirche ein katholisches Gotteshaus, nachdem es in den Wirren der Reformationszeit und während des Dreissigjährigen Krieges wiederholt und wechselnd von Katholiken und "Lutheranern" beansprucht wurde.

Die katholische Stadtpfarrei von Dinkelsbühl gehört zum Bistum Augsburg und innerhalb dieses Bistums zum Dekanat Nördlingen.


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