Münster St. Georg in Dinkelsbühl

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Silberapostel


Dinkelsbühler Silberapostel 

Wer in einer Neumondnacht um Mitternacht über das stille Kirchhöflein hinter der Georgskirche geht, kann mit einer unheimlichen Erscheinung konfrontiert werden. Eine weiss gekleidete Frau tritt aus einem bestimmten Haus und winkt dem Vorübergehenden zu sich. Wenn man sich ihr nähert, erscheint ein grau gekleidetes Männlein mit verzerrtem Gesichtsausdruck und macht abweisende und abwehrende Handbewegungen. Dann verschwindet sowohl die Frauengestalt als auch das Männlein wieder .............

Der Grund für diese Begegnung, so erzählt man sich seit alter Zeit in Dinkelsbühl, beruht auf einem tragischem Ereignis während des Dreissigjährigen Krieges. Rings um die Georgskirche befand sich bis in die Zeit des Dreissigjährigen Krieges der Friedhof der Reichsstadt. Mitten im Gräberfeld hinter der Kirche stand bis ca. 1622 eine uralte Kapelle, die einen reichen und kostbaren Kirchenschatz barg  -  12 mannsgrosse kunstvoll gearbeitete Apostelfiguren aus reinem Silber.

Zu Beginn des Dreissigjährigen Krieges, als plündernde Heerscharen durch die Lande zogen, sorgte sich der alte Pfarrer um die wertvollen Figuren. Er beschloss, sie zu vergraben und solange versteckt zu halten, bis wieder Frieden im Land und in der Stadt eingekehrt ist. So machte er sich eines Nachts bei Neumond an die mühevolle Arbeit und holte die Silberapostel aus der Kapelle und vergrub sie.

Als wenig später seine Tage gezählt waren, vertraute er kurz vor seinem Ableben sein Geheimnis seiner Haushälterin an mit der Auflage, die Apostelfiguren erst dann wieder in der Kapelle aufzustellen, wenn Frieden im Land und in der Stadt eingekehrt ist.

Aber auch die bald darauf verstorbene Pfarrhaushälterin nahm das Geheimnis mit in ihr Grab.

Vermutlich handelt es sich um den Geist der verstorbenen Haushälterin, die dem zu nächtlicher Stunde Vorbeikommenden ihr Geheimnis anvertrauen will, während der Geist des verstorbenen Pfarrers immer noch davon ausgeht, dass Unfrieden in der Stadt herrscht .............


Die blutschwitzende Mutter Gottes von Dinkelsbühl

Es war im Jahr 1632, als die protestantischen Schweden die Stadt eroberten hatten und wenige Wochen danach das schwedische Königspaar sich zu einem Besuch in Dinkelsbühl angesagt hatte. Während der festlichen Vorbereitungen  -  die überwiegend protestantische Bürgerschaft war dem Schwedenkönig Gustav Adolf und seiner Gemahlin Maria Elenora durchaus gewogen  -  erinnerte man sich plötzlich, dass in der inzwischen protestantischen Georgskirche noch eine Marienfigur stand. Sie stellte Maria, die Mutter Gottes mit ihrem an den Kreuzigungswunden verstorbenen Sohn Jesus dar.

Die Dinkelsbühler fürchteten, dass es beim Besuch des protestantischen Königs und bei dessen Anblick einer katholischen Marienfigur zum Eklat kommen könnte; sie beauftragten deshalb den Pfarrer und einen Diakon, die Anbetungsfigur zu entfernen. Als die beiden sich der Mutter Gottes näherten, erschraken sie aber zutiefst  -  aus ihren Augen quollen rote Tränen und ihr Gesicht war übersät mit roten Schweissperlen ......................

Erschüttert von diesem Anblick beschlossen sie, die Mutter Gottes in der Kirche zu belassen. 2 Monate nach seinem Dinkelsbühl-Besuch fiel der schwedische König in der Schlacht bei Lützen. Die Gläubigen vermuteten, dass die Dinkelsbühler Mutter Gottes eine Vorahnung auf die kommenden schlimmen Ereignisse hatte; der Dreissigjährige Krieg war zu dieser Zeit nämlich noch lange nicht vorbei und brachte der Stadt noch viele Jahre lang bittere Not und Elend.

Aus dem Jahr 1706 wird nochmals von der blutschwitzenden Mutter Gottes in Dinkelsbühl berichtet; anlässlich eines Gottesdienstes am Namenstag zum Gedächtnis der sieben Schmerzen Mariens schwitzte die Mutter Gottes wieder Blut. In der Folgezeit wallfahrten aus nah und fern zahlreiche Gläubige zur blutschwitzenden Mutter Gottes nach Dinkelsbühl.

Die Pieta aus dem Jahr 1490 hat heute ihren Platz im Ziboriumsaltar hinter dem Hochaltar.


Dinkelsbühler Spukprozession

Die Pfarrei von St. Georg in Dinkelsbühl wurde durch Zuwendungen von Liegenschaften, Spenden und Stiftungen der Bürgerschaft im Laufe der Jahrhunderte sehr wohlhabend. Zur Verwaltung der Einnahmen und Ausgaben des Kirchenvermögens wurden gewählte Ratsherren herangezogen, deren Aufgabe die korrekte Rechnungslegung der Kirchenkasse war. Für die Spender wurde an deren Todestag eine Messe abgehalten.

Solch eine Messe wurde auch einmal an einem 23. April, dem Namenstag des Kirchenpatrons St. Georg, abgehalten. Die Messe war deshalb sehr gut besucht und eine alte Dinkelsbühlerin, die zu spät zum Gottesdienst kam, fand nur noch hinten im Kirchenschiff hinter einer Säule Platz. Lange dauerte die Messe des Pfarrers und die alte Frau, die wegen des versteckten Platzes keinen Sichtkontakt zur Kanzel und zum Altar hatte, schlief schliesslich ob der dann eintönigen Predigt ein.

Nach Ende der Messe und als alle Kirchenbesucher das Gotteshaus verlassen hatten, verschloss der Mesner die 4 Seitentore sowie das grosse Haupttor unter dem Kirchturm  -  die noch schlafende alte Frau, die auf ihrer Kirchenbank hinter einer Säule inzwischen zusammengesunken war, bemerkte er nicht. Erst beim Mitternachtsläuten der Kirchenglocken wachte sie wieder auf und erschrak ................

................ wegen des immer lauter werdenden Schlurfens, das sie vom Mittelgang des Kirchenschiffs her vernahm. Was sie jetzt dort sah, war unheimlich. Im flackernden Kerzenschein erschienen schemenhafte und stumme Gestalten in schwarzen und roten Talaren und wandelten vor in Richtung Chorraum. Gramgebeugt stiegen sie zum Hochaltar hinauf, knieten dort nacheinander nieder und bekreuzigten sich dreimal. Dann verschwand einer nach dem anderen der rätselhaften Gestalten in der Sakristei.

Vermutlich sah die alte Dinkelsbühlerin längst verstorbene Kirchenpfleger, die in ihrem Amt die ihnen anvertrauten Gelder und Vermögen der Pfarrei von St. Georg veruntreut hatten und die jetzt als ruhelose gespenstische Gestalten für ihre ruchlose Tat jede Nacht mit einer Spukprozession büssen müssen.


Widerspenstige Schwedenorgel in Dinkelsbühl

Als im Jahr 1632 die protestantischen Schweden die Stadt Dinkelsbühl in Besitz nahmen, setzten sie den katholischen Rat der Stadt ab. Zwar wurde die Stadt nicht, wie befürchtet, gebrandschatzt und zerstört, aber die nunmehr neuen Stadtherren gebärdeten sich trotzdem aggressiv. So verwüsteten sie die bisher von den Katholiken benutzte Georgskirche im Inneren; unter anderem wurde dabei auch die Orgel zerstört. 2 Jahre lang durften die Protestanten unter der Obhut der Schweden nun die Georgskirche für ihre Gottesdienste nutzen. Anstelle der zerstörten Orgel holten sie ihre Orgel aus der Heiliggeistspitalkirche. Dieses Instrument wurde fortan und bis zum heutigen Tag Tragorgel oder auch Schwedenorgel genannt.

1634 wechselten die Stadtherren und die katholische Minderheit nahm wieder von der Georgskirche Besitz. Da die frühere Orgel nicht mehr brauchbar war, einigten sich Protestanten und Katholiken gegen Abfindung auf den Verbleib der Schwedenorgel in der Georgskirche. Sie hatte ihren Platz hoch oben über der Sakristei in der Musikempore, der geplante und angefangene, aber nie vollendete Nordturm. Der Zugang dorthin ist nur über eine doppelte Freitreppe im Kirchenraum möglich, die dann über eine verborgene Wendeltreppe im Turminneren weiterführt.

Die Freude der Katholiken über die schnelle Einigung mit den Protestanten wegen des Orgelkaufs währte aber nicht lange. Die Orgel gab nämlich fortan keinen Ton mehr von sich. Vielmehr spukte es im Treppenturm des Nordturms. Jeder Organist, der zum Spielen die dunklen Wendeltreppen hinaufsteigen wollte, wurde von unsichtbarer Hand derart heftig geohrfeigt, dass er gerne auf das Orgelspielen verzichtete. So mussten die Katholiken bei ihren Gottesdiensten auf die Orgelbegleitung verzichten.

Die mysteriösen Vorgänge im Nordturm währten 10 Jahre lang. Erst 1644 gaben sich die Katholiken geschlagen und entschlossen sich zur Reparatur der von den Schweden beschädigten Orgel (Harrer-Orgel), die dann immerhin 2 Jahrhunderte lang ihren Dienst versah.


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