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(Klick auf das Bild führt zur Internetpräsentation der baden-württembergisch-bayerischen Doppelstadt Ulm / Neu-Ulm)

Dinkelsbühl unterhält während seiner städtebaulichen Entwicklungsgeschichte rege Partnerschaft mit befreundeten Reichsstädten in Süddeutschland. Vor allem mit den unmittelbar benachbarten Reichsstädten Nördlingen und  Rothenburg ob der Tauber sowie mit (Schwäbisch) Hall werden rege Handels- und kommunalpolitische Verbindungen gepflegt. Eine besondere Verbindung besteht zur Reichsstadt Ulm an der Donau.

Beide Reichsstädte gehören dem Schwäbischen Städtebund an, wobei Ulm als grösste Stadt innerhalb des Städtebunds die Führung übernimmt. In Rechtsangelegenheiten lehnt sich Dinkelsbühl ab 1305 an das schon bestehende Ulmer Stadtrecht an, erst 1482 übernimmt es das Nürnberger Stadtrecht. Die innerstädtischen Querelen zwischen den Patriziern und den aufstrebenden Handwerkszünften und Bürgern werden in beiden Städten etwa zeitgleich friedlich beigelegt - 1387 in Dinkelsbühl durch den sogenannten "Richtungsbrief" und 10 Jahre später in Ulm durch den sogenannten "Schwörbrief". In beiden Stadtverfassungen, vergleichbar mit dem deutschen Grundgesetz, werden die Rechte der Bürger verbrieft.

Es existieren rege Handelsaktivitäten, vor allem auf dem für Dinkelsbühl wichtigen wirtschaftlichen Gebiet des Textilhandels. Die damals in Dinkelsbühl entstehende Barchantweberei entwickelt sich mit Unterstützung von Ulm. Der Reise- und Postweg zwischen den Reichsstädten Nürnberg und Ulm verläuft lange Zeit über Dinkelsbühl, insbesondere die Kaiser und deren Trosse nehmen diese Route.

 

Der sogenannte Ulmer Weg führt von Dinkelsbühl über Stödtlen, Riepach, Bopfingen und Giengen an der Brenz nach Ulm.

Aufgrund dieser Fakten ist zu vermuten, dass für den direkten Weg von und nach Ulm ein Stadttor vorhanden ist. Bereits während der Stauferbefestigung führt der Weg von und nach Ulm durch das ehemalige Ulmer Tor am Ende der Turmgasse. Nach der grossen Erweiterung der Stadtbefestigung Anfang des 15. Jahrhunderts wird wohl das neue Ulmer Stadttor weiter südöstlich in den Mauerkranz gesetzt. Der jetzige Weisse Turm, früher auch Dönersturm genannt, war vermutlich als 5. Stadttor von und nach Ulm geplant: er steht, wie die anderen 4 Stadttore, auffällig massiv und trutzig im Vergleich zu den normalen Befestigungstürmen im Mauerring.

Stadttore sind in kriegerischen Zeiten gefährliche Stellen für die ansonsten bestens geschützte Stadt. Nachdem auch im 15. Jahrhundert die Reiseroute Nürnberg - Ulm zugunsten dem Weg über Nördlingen an Bedeutung verliert, gibt es keinen gewichtigen Grund mehr für ein zusätzliches Stadttor. Die Tordurchfahrt - kaum ist der Bau des Torturms fertig - wird kurzerhand wieder zugemauert. Nicht mehr zur Ausführung kommen deshalb auch die bei Torbauten üblichen Vorwerke und Basteien zum Schutz der Einfahrt; auch die erforderliche Brücke über den Verteidigungsgraben vor der Stadtmauer wird nicht mehr gebaut.

Auf der Feldseite erkennt man oben, wie bei den anderen 4 Stadttürmen, das Stadtwappen und das Wappen mit dem Reichsadler. Sie stammen allerdings nicht aus der Zeit des Mittelalters, sondern wurden Anfang des 19. Jahrhunderts nachträglich angebracht. Vermutlich stammen sie von einem abgebrochenen äusseren Torturm.