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Aus der einst stolzen Festung Dinkelsbühl, gewappnet nach aussen durch trutzige Mauern und Türme, im Innern gefestigt durch ehrgeizige, fleissige und geschäftstüchtige Patrizier, Handwerker, Händler und Bürger verbleibt 1648 am Ende des dreissigjährigen grausamen Kriegstreibens eine gebrochene und mit tiefen Wunden geschlagene Stadt.

Durch Kriegseinwirkungen und Seuchen wird die Bevölkerung um die Hälfte dezimiert, Verteidigungsanlagen der Stadt sind zerstört, Kriegsschulden lasten schwer auf der Stadt, der Religionshader zwischen den Konfessionen innerhalb der städtischen Bevölkerung ist noch lange nicht überwunden.

Obwohl eine kaiserliche Kommission nach dem Westfälischen Frieden eine glaubensparitätische Regelung für die Verwaltung und alle Ämterstellen erarbeitet, findet der Zwist innerhalb der Bürgerschaft und dem Rat der Stadt kein Ende. Zu den religiösen Streitigkeiten innerhalb der Bevölkerung kommen Misstände und eine heillose Unordnung in der städtischen Verwaltung. Wiederholt müssen sich, auf Kosten der Stadt, auswärtige Delegationen und eine kaiserliche Untersuchungskommission in der fernen Kaiserstadt Wien um Recht und Ordnung in Dinkelsbühl bemühen.

In einer Zeit, als andere, vom Dreissigjährigen Krieg ebenso betroffene Reichsstädte wieder wirtschaftlich und politisch Fuss fassen, versinkt Dinkelsbühl in Hader, Intoleranz und Misswirtschaft und verpasst wichtige Entwicklungen.

Aber nicht nur die inneren Querelen in der Stadt belasten den Wiederaufbau und die weitere Stadtentwicklung. Bedingt durch den Westfälischen Frieden gehen die benachbarten und an die reichsstädtischen Territorien angrenzenden Markgrafen von Brandenburg-Ansbach, die Fürstprobstei Ellwangen und die alten Dinkelsbühler "Erbfeinde", die Reichsfürsten von Oettingen machtpolitisch als Sieger hervor. Für sie ist es nunmehr ein leichtes Spiel, die ohnehin geschwächte Stadt durch permanente Übergriffe auf deren Handelsleute praktisch zu blockieren. Dinkelsbühls Blütezeit als wichtiger Handelsort ist durch die Glaubens- und Kriegswirren des 17. und 18. Jahrhunderts erloschen ............

Schulden lasten schwer auf der Stadt. Die vielen Truppeneinquartierungen und -verpflegungen der letzten Jahrzehnte, die permanente Misswirtschaft in der öffentlichen Verwaltung, teilweise begründet durch konfessionellen Hader sowie Altschulden noch vom Dreissigjährigen Krieg haben verheerende Wirkung auf die Verantwortlichen und auf die Finanzsituation in der Stadt. Dinkelsbühl wird im Jahr 1806, nach etlichen wirren Jahren unter  preussischer Herrschaft, endgültig bayerisch. Die neue königliche Regierung in München fordert sofort eine rasche Sanierung der zerrütteten städtischen Finanzen.

Und die Dinkelsbühler sanieren furchtbar ............

Mauern, Wehrgänge, Türme, Tore, Wälle, Basteien, Vorwerke, Schanzanlagen - das im Mittelalter ausgeklügelte, durchdachte und tief gestaffelte Wehrsystem zum Schutz und zur Verteidigung der Stadt hat im Laufe der Jahrhunderte unter kriegerischem und natürlichem Verfall schwer gelitten. Geld für Erneuerungen und Reparaturen war nicht mehr vorhanden. Jetzt am Beginn der Neuzeit und des heraufziehenden Industriezeitalters gibt es auch keine Verwendung mehr für "altes Befestigungsgemäuer".

Stück um Stück und Stein um Stein werden die in Jahrhunderten gewachsenen Bestandteile einer einst stolzen und trutzigen Stadt dem vollständigen Abbruch preisgegeben, sprich zugunsten der Stadtkassen verkauft ............

Dass in Dinkelsbühler Archiven im Vergleich zu anderen ehemals freien Reichsstädten relativ wenig Belegmaterial zur frühen Stadtgeschichte auffindbar ist, ja dass wesentliche Teile der Stadtgeschichte sich lediglich aus Archivunterlagen der damaligen befreundeten Handelsstädte Dinkelsbühls, z.B. in Nördlingen, Rothenburg ob der Tauber, etc. rekonstruieren lassen, verdanken wir einem skandalösem Vorgehen der hilflosen, finanziell bedrängten, aber wenig weitsichtigen Stadtoberen - sie verkaufen wertvollste städtische Archivunterlagen ihrer Stadtgeschichte als Verpackungsmaterial ............

Diesem ruinösem Treiben der Dinkelsbühler Untertanen setzt der bayerische König Ludwig I. (1786 - 1868) im Jahr 1826 durch seinen denkmalpflegerischen Erlass ein Ende.

Das Verbot Seiner Majestät " ..... die Ringmauern, Türme, Gräben und sonstige Vorwerke altdeutscher Städte .....", " ... die elementaren Zeugen nationaler Vergangenheit ....." abzubrechen oder zu verändern, kommt für Dinkelsbühl fast zu spät  -  einen begehbaren Wehrgang auf der Stadtmauer sucht man heute vergebens.

Im Kinderzech-Festspiel werden die Kinder Dinkelsbühls als Retter der Stadt in schwerer Not dramaturgisch gekonnt in Szene gesetzt  -  aus einem völlig anderen Blickwinkel kann auch Ludwig I., König von Bayern, als ebensolcher gesehen werden ..............