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Aus dem Dunkel der Stadtgeschichte und aus den Wirren des Dreissigjährigen Krieges entwickelt sich im Lauf vieler Jahrhunderte das grösste Volksfest der Stadt - die Kinderzeche. Selbst eine umfangreiche Kinderzechforschung in Dinkelsbühl kann kein klares Bild über den genauen Ursprung dieses einmaligen Festes bringen. Deutungen reichen von einem germanischen Frühlingsfest über Sonnwendfeiern und Kirchweihfesten bis zu Schulfesten an Lateinschulen des ausgehenden Mittelalters. Tatsächlich belegt sind Ausflüge der Dinkelsbühler Schulkinder mit ihren Magistern und Kantoren in Wirtshäuser der umliegenden Dörfer zum Essen und Trinken, also zum Zechen, wobei die Bezahlung aus kirchlichen und schulischen Kassen erfolgt. In den Jahren der Glaubens- und Reformationswirren des 16. und 17. Jahrhunderts werden diese finanziellen Zuwendungen sogar als Einflussmittel der jeweils anderen Glaubensseite eingesetzt, wie es in einer Stadt, die durch das Gedankengut von Reformation und Gegenreformation zerrüttet ist, nicht anders zu erwarten ist. So gibt es über Jahrhunderte hinweg 2 Schulzechen, eine katholische und eine evangelische, jeweils getrennt an verschiedenen Terminen im Sommer. Im Laufe der Zeit entwickelt sich die evangelische Schulzeche mit Kinderumzug durch die Stadt und hinaus zum Schiesswasen immer prächtiger. Auf dem Schiesswasen gibt es am Ende des 18. Jahrhunderts ausser Schiessübungen bereits einen volksfestartigen Betrieb mit Zechereien nicht nur der Kinder. Bedingt durch die nach Ende des Dreissigjährigen Kriegs im Westfälischen Frieden 1648 ausgehandelte konfessionelle Parität feiern die evangelischen Dinkelsbühler, die die Mehrheit in der Stadt stellen, in den Folgejahren und vor allem zu runden Jubiläumsjahren ihre Schulzeche als Sieges- und Jubelfest. Im Lauf der Zeit rückt dabei immer mehr das Geschehen im Dreissigjährigen Krieg und das Dinkelsbühler Schicksalsjahr 1632 in den Vordergrund, als die evangelischen Schweden unter Führung des Schwedenobristen Claus Dietrich von Sperreuth die mehrheitlich evangelische, aber mit einem katholischen Rat besetzte Stadt ins Visier nehmen und sie aus ihrer Sicht vom Joch der Katholiken befreien. Die katholische Schulzeche hingegen wird immer mehr im bescheidenen Rahmen in Kirche und Schule ohne Zecherei begangen. 1803 wird sie schliesslich mangels Interesse der Bevölkerung gänzlich eingestellt. Die evangelische Schulzeche kann demnach als Vorläufer der heutigen Kinderzeche bezeichnet werden. Auch wenn es viele Einheimische und die zahlreichen Besucher von Dinkelsbühl nicht wissen, das jährlich während der Kinderzech-Festwoche im Juli aufgeführte Festspiel (wir schreiben das Jahr 1632) - im Schrannensaal eine dramatische Ratsherrensitzung wegen der Bedrohung der Stadt durch die Schweden und anschliessend auf dem Altrathausplatz die Einnahme der Stadt durch schwedische Truppen und Marodeure und dann die unvorhergesehene Verschonung "vor Plünderung und allem Elend" – hat mit historischen Abläufen wahrheitlich wenig zu tun. Zwar lagern im Frühjahr 1632 schwedische Soldaten vereinzelt rings um die Stadt, es gibt unbedeutende Schiessereien, teils wegen Viehdiebstählen der Schweden, von einer regelrechten Belagerung oder offenen Kämpfen kann keine Rede sein. Überhaupt muss die mehrheitlich protestantische Bevölkerung von den protestantisch gesinnten Schweden wenig befürchten und erwartet mehr oder weniger ungeduldig deren Einzug in die Stadt und damit die Absetzung des verhassten katholisch besetzten Rates. Für den Kaiser und die kaiserlich-katholischen Truppen, die die Schweden bekämpfen und vertreiben sollen, ist Dinkelsbühl als "Unkennest" zu unbedeutend. Während einer wochenlangen Hinhaltetaktik zwischen dem katholischen Rat der Stadt und schwedischen Abgesandten versucht der Rat, die geforderte Stadtübergabe an die Schweden immer wieder zu verzögern. Schliesslich wird der Schwedenobrist Claus Dietrich von Sperreuth von städtischen Abgesandten in seinem seinerzeitigen Hauptquartier in Weissenburg abgeholt und nach Dinkelsbühl begleitet. In den Folgetagen ziehen wenige schwedische Reiter und Soldaten in die Stadt ein, der Rat der Stadt wird vom Schwedenobrist neu besetzt, es fällt kein Schuss, keine Brandschatzung und Plünderung erschüttert die Stadt in diesen Tagen. Dass das ergreifende Festspiel heutzutage alljährlich während der Kinderzech-Festwoche tausende Besucher, Einheimische und Auswärtige gleichermassen fesselt und bewegt, verdanken wir dichterischer Kunst und Phantasie, überwältigender Theatralik und dem beispielhaften Heimatbekenntnis der ausschliesslich Dinkelsbühler Laiendarsteller im Festspiel. Entstanden ist das Kinderzech-Festspiel heutiger Prägung im Jahr 1897. Der Münchener Hofrat und Dramaturg Ludwig Stark (1851 – 1917), der 1884 bereits in Rothenburg ob der Tauber den "Meistertrunk" neu verfasst, wird aufgrund glänzender Referenzen Jahre später nach Dinkelsbühl verpflichtet. Hier entsteht unter seiner Feder das bis heute fast unveränderte Theaterstück über die furchtbare Bedrohung der Stadt durch feindliche Heerscharen im Dreissigjährigen Krieg, die erregte Sitzung der Ratsherren und deren Hilflosigkeit, dargestellt im Schrannenfestsaal, das Erscheinen der mutigen Türmerstochter, die mit Gottvertrauen und den Kindern der Stadt den grimmigen Schwedenobristen um Gnade für die Stadt bitten will und schliesslich auf dem Altrathausplatz vor dem Wörnitztor die in die Stadt einstürmenden Schweden, voran der hartgesottene und gefürchtete Schwedenobrist Claus Dietrich von Sperreuth, der beim Anblick der um Gnade flehenden Kinder weich wird, deshalb von der Eroberung absieht, die Stadt "vor Plünderung und allem Elend" verschont und die Kinder als "die Retter Dinkelsbühls" preist: " .......... seid Eurer Dankesschuld stets eingedenk! ............ " Ausgehend von dieser rührenden Begebenheit beschliesst der Rat der Stadt aus Dankbarkeit, den Kindern, den Rettern der Stadt jährlich eine Kinderzeche auszurichten. So das Ansinnen und das grossartige Werk des Theaterdramaturgen Ludwig Stark ....................... Aber nicht nur das ergreifende Festspiel, das durch eine eigens dafür komponierte Kinderzech-Ouvertüre des damaligen städtischen Musikmeisters August Kress (1888 – 1926) hervorragend aufgewertet wird, stammt von dem Münchener Dramaturgen Ludwig Stark, auch die Neukonzeption des Kinderumzuges durch die Strassen der Stadt erfolgt durch ihn. Die Zielrichtung des genialen Dramaturgen ist klar - unter Hinzuziehung vager historischer Begebenheiten, vermischt mit theatralisch wirksamen Auftritten von Einzelpersonen, Gruppen und Umzügen in historischen Kostümen soll durch das Kinderzech-Festspiel eine Hebung des Fremdenverkehrs in einer geschichtsträchtigen, märchenhaften Stadt einhergehen. An dieser Zielrichtung hat sich bis zum heutigen Tag nichts geändert. Dem begabten Theaterfachmann Ludwig Stark verdankt Dinkelsbühl auch eine einmalige, weltbekannte Institution - die Dinkelsbühler Knabenkapelle mit dem Knabenbataillon. Zwar gibt es bereits bei den früheren Kinder- und Schulumzügen Trommelmusikbegleitung, im 18. und 19. Jahrhundert wird von "Baukenschlager" und später von "Schwedenmusik" berichtet, dargebracht ab 1857 von jugendlichen Musikanten in Schwedenuniformen. Auf Veranlassung von Ludwig Stark tritt ab 1897, mit Einführung der neuen Kinderzechgestaltung, die Dinkelsbühler Knabenkapelle mit dem Knabenbataillon in einheitlichen rot-weissen Rokoko-Uniformen mit schwarzem Dreispitzhut und Zopfperücke auf und entzückt Zuhörer und Zuschauer nicht nur in Dinkelsbühl, sondern auch bei Gastauftritten in aller Welt. (Links zur offiziellen Homepage der Kinderzeche und zum Kinderzech-Zeughaus)
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(Link zu meiner privaten Internetpräsentation über die Dinkelsbühler Knabenkapelle, Seite z.Zt. noch im Aufbau) |